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Grundlagen der Verhaltensbeobachtung - Coggle Diagram
Grundlagen der Verhaltensbeobachtung
1.1 Begriffsklärung
Definition
systematische Erfassung, Beschreibung und Auswertung sichtbaren Verhaltens
Datenerhebungsmethode und Diagnostikmethode
Ziel
möglichst realitätsnahe Abbildung von Verhalten
bewusste Reduktion der Realität
Auswahl relevanter Aspekte
Bedeutungszuordnung
Drei Schritte der Beiordnung
Primäre Beiordnung
Verbindung äußerer Ereignisse mit körperlichen Zuständen
Wahrnehmung und neuronale Verarbeitung
Sekundäre Beiordnung
Verknüpfung körperlicher Reaktionen mit psychischen Prozessen
Wahrnehmung, Emotion, Motivation
Tertiäre Beiordnung (Kodierung)
Übersetzung des beobachteten Verhaltens in Zeichen
Zahlen, Symbole oder Kategorien
Beispiel: „Kind schlägt anderes Kind“ → Aggression = 1
Vorteile
weniger invasiv als Befragungen
erfasst nonverbales Verhalten (Gestik, Mimik)
geeignet für Längsschnittbeobachtungen
hohe ökologische Validität im natürlichen Kontext
Nachteile
weniger fokussiert als Interviews
Risiko von Fehlinterpretationen
hoher Trainingsbedarf für Beobachtende
1.2 Wissenschaftliche Traditionen
1.2.1 Ethologie und Verhaltensbiologie
Ursprung in Tierbeobachtung
Übertragung auf menschliches Verhalten
Fokus auf Anpassung und Funktion von Verhalten
heutige Verbindung mit Physiologie und Neurobiologie
Verhaltensökologie fragt:
warum entsteht Verhalten
welchen Anpassungswert hat es
1.2.2 Ethnologie und Kulturwissenschaften
Untersuchung von Kulturen und sozialen Gruppen
typische Methode: teilnehmende Beobachtung
Beobachtung im natürlichen Kontext
Nutzung audiovisueller Dokumentation
Fragestellungen:
Rituale und Normen
Gruppenverhalten
Einfluss kultureller Regeln
1.2.3 Psychoanalytische Tradition
intensive Einzelfallbeobachtungen
Fokus auf kindliche Entwicklung
Dokumentation innerer Prozesse
wichtige Vertreter:
Melanie Klein
Anna Freud
Dorothy Burlingham
René Spitz
Hospitalismus:
Entwicklungsstörungen durch emotionale Deprivation
frühe Nutzung von Film als Forschungsmittel
1.2.4 Frühe Entwicklungspsychologie
Tagebuchstudien eigener Kinder
Vertreter: Clara und William Stern
Themen:
Sprachentwicklung
Gedächtnis
Lügenverhalten
Werk: Psychologie der frühen Kindheit
Pionierarbeit qualitativer Beobachtung
1.2.5 Psychologische Lerntheorien
Klassische Konditionierung (Pawlow)
Lernen durch Reiz-Reaktions-Verknüpfung
unkonditionierter und konditionierter Reflex
Anwendung zur Erklärung von Angst und Neurosen
Behaviorismus (Watson)
Fokus ausschließlich auf beobachtbares Verhalten
innere Prozesse ausgeklammert
Experiment „Kleiner Albert“
Grundlage der Verhaltenstherapie
Operante Konditionierung (Skinner)
Verhalten wird durch Konsequenzen gesteuert
Verstärkung erhöht Verhalten
Bestrafung senkt Verhalten
pragmatische Verhaltensformung
Sozial-kognitive Lerntheorie (Bandura)
Lernen am Modell
Beobachtung und Nachahmung
Bedeutung für Aggression und Sozialverhalten
Kerngedanke
Verhaltensbeobachtung ist eine zentrale wissenschaftliche Methode
sie verbindet biologische, psychologische und kulturelle Perspektiven
sie bildet reale Interaktion und Entwicklung besonders authentisch ab