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9; Klinisch-psychologische Diagnostik Diagnostik in der klinischen…
9; Klinisch-psychologische Diagnostik
Diagnostik in der klinischen Psychologie und Psychotherapie
Definition Klinische Psychologie:
o Schmidt-Atzert et al. 2021: Erforschung von Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Störungen, (auch körperliche Erkrankung mit psych. Hintergrund), Diagnostik der entsprechenden Erkrankung, Entwicklung und Überprüfung der Wirksamkeit psychologischer bzw. psychotherapeutischer Behandlung. Dabei Erkenntnisse und Forschungsmethoden von Grundlagenfächer Psychologie.
Aufgaben der klinisch-psychologischen Diagnostik:
o Forschung der Entstehung psychischer Störungen
o Überprüfung von Modellen darüber wie psychische Störung aufrechterhalten werden
o “Störungswissen” als Voraussetzung für angemessene psychotherapeutischer bzw. sonstige klinisch-psychologische Interventionen
o Ziel der psychotherapeutischen Behandlung: Vorhandene Störung beseitigen/lindern, Einschränkungen und Leid reduzieren
o Kenntnisse erforderlich, wie Behandlung durchgeführt werden sollte (“Veränderungswissen”)
⇒ Istzustände (Beschwerden/Symptomatik) und Sollzustände
(aufrechterhaltende Bedingungen wie Ziel/Richtung der Veränderung) feststellen
o 5 wichtigste Aufgaben klinisch-psych. Diagnostik nach Schmit-Atzert et al., 2021:
Qualitative und quantitative Beschreibung der vorliegenden Problematik
Klassifikation der psychischen Störung
Exploration von besonderen lebensgeschichtlichen Bedingungen bei der Entstehung und dem bisherigen Verlauf der Störung
Beobachtung des Verlaufs der Intervention und der Veränderung der Symptomatik (adaptive Diagnostik, Verlaufsdiagnostik)
Überprüfung des Therapieerfolgs
⇒ Diagnostik und Intervention sind unterschiedliche Konzepte bedingen sich aber gegenseitig
Diagnostische Ansätze und Methoden
o Unterscheidung nach “System”:
Körperliche Aspekte (z.B. Physiologische Aktivierung wie Erhöhung Herzfrequenz bei Angst)
Gedanken und Gefühle (kognitiv-emotionale Ebene z.B. Hoffnungslosigkeit)
Verhalten (motorisch und sprachlich, z.B. Vermeiden von Situationen, die Angst machen)
Situative Faktoren (z.B. allein sein) und Verhalten der Umwelt (z.B. Familienmitglieder)
o Unterscheidung nach eingesetzten diagnostischen Methoden:
(offenes) diagnostisches Gespräch/Interview
strukturierte und standardisierte klinisch-psychologische Interviews (geschlossen) ⇒ Diagnostische Interviews
Fragebogen und Testverfahren (z.B. Erhebung personenbezogene Informationen, standardisiertes Erfassen der Symptomatik etc.)
⇒ Psychometrische klinische Verfahren
Beobachtungsmethoden (z.B. Wie oft tritt leidbringendes Verhalten auf)
Psychophysiologische und biologische Verfahren (z.B. Messen von Muskelspannungen bei Person mit Spannungskopfschmerzen)
Institutionelle Rahmenbedingungen
o Beispiele für institutionelle Rahmenbedingungen und damit zusammenhängende spezifische Aufgabe klinisch-psychologischer Diagnostik
Private Praxis (= Psychologische oder Ärztliche Psychotherapeuten)
Psychiatrische Klinik
Psychosomatische Kliniken
Berufliche Rehabilitation
Beratungsstellen
Allgemeinmedizinische Kliniken
Offenes diagnostisches Interview
o Dient der Erhebung Problemrelevanter Informationen mit dem Ziel:
Problem genau beschreiben
verstehen, wie Problem aufrechterhalten wird
Hintergründe: Lebens-, Problem-, Behandlungsgeschichte erfassen
Exploration der Problemvorgeschichte: Bedeutsamkeit subjektiver Vorstellungen der Betroffenen über Entstehung und Aufrechterhaltung eigenen Problematik
oft enger Zusammenhang zwischen individuellen Erklärungen der Entstehung der Problematik und Art, wie aufrechterhalten wird
o Problem- und Verhaltensanalyse (kognitiv-verhaltenstherapeutischer Ansatz):
Analyse von Verhalten, Kognitionen, Emotion und körperliche Reaktionen, um die funktionalen Zusammenhänge zwischen “problematischem Verhalten” und antezedenten/konsequenten Bedingungen/Ereignissen zu erfassen
Bedingungen feststellen, die die Aufrechterhaltung von Problemen erklären können
Vier zentrale Modalitäten des Erlebens und Verhaltens (= Physiologie, Kognition, Emotion und Verhalten)
durch Verhaltensanalyse explorierte Zusammenhänge werden als funktionales Bedingungsmodell eingeordnet und nach Paradigmen des klassischen und operanten Lernens dargestellt
SORKC-Modell (= Funktionales Bedingungsmodell mit “Verhaltensgleichung”)
Skinner: Operantes Modell in ursprünglicher Form (3 Komponenten)
S = Stimulus, Situation
R = Reaktion, Verhalten
C = Konsequenz (nachfolgende, meist verstärkende Bedingungen)
Lindsley,1964: Ergänzung der K-Variable
K = Kontingenz: Häufigkeit, Intensität, Dauer und Aufeinanderfolgende der Konsequenzen
Kanfer und Saslow,1976: Ergänzung der Verhaltensgleichung
O = Organismus: Körperliche Aspekte (z.B. Alkohol, Müdigkeit, Krankheit, Behinderung etc.)
E = Erwartung: Zusätzlich kognitive Aspekte im Rahmen des funktionalen Bedingungsmodells
Ebene des Verhaltens (R): Differenzierung der kognitiven Aspekte in Wahrnehmungsprozess (WP) und innere Verarbeitung (IV)
Ebene der Situation (S) als auch Konsequenzen (C): Unterscheidung von externen und internen Aspekten (S_extern, S_intern und C_extern, C_intern)
Kognitive Wende in der Verhaltenstherapie:
Stärkere Berücksichtigung von Kognitionen, Einstellungen, Erwartungen, persönlichen Zielen, Intentionen
Relevanz für Problemanalyse und Diagnostik psychischer Störungen
Rolle kognitiver Konzepte in Störungstheorien & Diagnostik:
Kognitive Schemata (Beck et al. 1996)
«Beliefs» (Ellis & Grieger 1995)
Handlungspläne & Persönliche Ziele Erklärung klinisch relevanten Verhalten und Erleben
Unterschiede zur klassischen Verhaltensanalyse:
Klassisch: Fokus Verhalten & Situation
Erweiterung durch Exploration von Handlungszielen & -plänen
Untersuchung individuell bedeutsamer Regeln, Pläne & Kognitionen (“handlungsleitende Kognitionen”)
Vertikale vs. horizontale Verhaltensanalyse:
vertikal (= Plananalyse): Untersuchung handlungsleitender Kognitionen
horizontal: Darstellung Verhalten auf Zeitachse
Verhaltensanalyse setzt auf Syndrom-, Symptom- und Beschwerdenebene an
Psychische Störung und ihre Klassifikation
o Zentrale Komponenten für die Definition psychischer Störungen (nach DSM-5)
Erleben und Verhalten charakterisierbar durch klinisch bedeutsame Störung in Kognition, Emotionsregulation oder Verhalten
Störung als Ausdruck von dysfunktionalen psychologischen, biologischen oder entwicklungsbezogenen Prozessen, denen psychische und seelische Funktionen zugrunde liegen
Störung typischerweise verbunden mit bedeutsamen Leid oder Beeinträchtigung hinsichtlich sozialer-, berufs- oder ausbildungsbezogener oder anderen Aktivitäten
Normativ oder kulturell anerkannt Reaktionen auf übliche Stressoren (z.B. Tod von Angehörigen) oder sozial abweichendes Verhalten und Konflikte nicht als psychische Störung; es sei denn, dass Dysfunktionen zugrunde liegen
Diagnostische Interviews
o Psychische Störungen können durch strukturierte, halbstrukturierte oder standardisierte Interviews mit mindestens zufriedenstellende Zuverlässigkeit erhoben werden
o Strukturierte und standardisierte Interviews zur klassifikatorischen Diagnostik psychischer Störungen:
SKID-5-CV: Strukturiertes Klinisches Interview für DSM-5 Störungen – Klinische Version (Beesdo-Baum et al., 2019)
DIPS Open Access: Diagnostisches Interview bei psychischen Störungen (Margraf et al., 2017)
Mini-Dips Open Access: Diagnostisches Kurzinterview bei psychischen Störungen (Margraf & Cwik, 2017)
Kinder-DIPS Open Access: Diagnostisches Interview bei psychischen Störungen des Kindes- und Jugendalters (Schneider et al., 2017)
SCID-5-PD: Strukturiertes Klinisches Interview für DSM-5
o Auswertung und Diagnosestellung
Diagnosestellung erst, wenn gesamtes Interview abgeschlossen
Einbezug weiterer Informationen (Fragebögen, Testdiagnostik, Verhaltensbeobachtung, Information durch Bezugspersonen, somatische Befunde)
Störungsübergreifende Aspekte
Ausschluss von organischen Faktoren, Wirkung von Substanzen als Ursache/Erklärung
Beeinträchtigung der Lebensführung und Leidensdruck in klinisch bedeutsamem Ausmass
Beschwerden sind unangemessen, übertrieben, irrational
Wenn mehrere Diagnosen vorliegen: Einordnung als primäre und sekundäre Diagnosen (Komorbidität), abhängig vom Schweregrad und Ausmass der Belastung
Einbezug früherer Diagnosen
o Rückmeldung einer Diagnose
Möglicherweise Entlastungserleben (bei betroffener Person)
Auf verständliche Erklärung achten
Vermittlung von Informationen zu Behandlungsangeboten, realistische Darstellung von zu erwartenden Behandlungserfolgen
Ablehnung von Diagnosen sind selten; Bedenken sollten offen exploriert werden (inkl. Ängste, Befürchtung von Stigmatisierung)
o Besonderheiten der Diagnostik mit Kindern und Jugendlichen
Berücksichtigung altersentsprechender Symptomatik (z.B. depressive Störungen im Jugendalter vermehrt Gleichgültigkeit/Reizbarkeit, weniger Niedergeschlagenheit)
Teilweise weichen Diagnosekriterien für Störungen im Kindes- und Jugendalter von denen für das Erwachsenenalter ab (z.B. Zeitkriterium der persistierenden depressiven Störung nach DSM-5: 1 Jahr vs. 2 Jahre)
Eigenes Klassifikationssystem für die ersten Lebensjahre für alterstypische Problembereiche (z.B. Regulationsstörungen),
⇒ „Zero to Three“ (Diagnostische Klassifikation seelischer Gesundheit und Entwicklungsstörungen der frühen Kindheit,0-3 J., 2016)
Abgrenzung zu entwicklungstypischen Auffälligkeiten (z.B. Schlaf, Ängste, Stimmungsschwankungen)
Einbezug von Bezugspersonen, klinische Interviews auch mit Eltern/anderen Bezugspersonen
Altersgerechte Interviewdurchführung (z.B. Konzentration, Abstraktionsniveau, Sprachverständnis, Zeitwahrnehmung)
Pausen und soziale Verstärkung (Loben), ggfs. Ergänzung durch Verhaltensbeobachtung
Psychometrische klinische Verfahren
o Mit Fragebögen werden i.d.R. dimensionale Befunde über Ausprägungsgrad der Problematik bzw. Symptomatik erfasst
o Mit psychometrischen Testverfahren kann i.d.R. keine Aussage über das Vorliegen psychischer Störung, sondern Aussage über Stärke der Symptomatik
Demgegenüber führen standardisierte und strukturierte diagnostischen Verfahren, die den Kriterien der ICD oder des DSM entsprechen, zu kategorialen Urteilen über das Vorliegen psychischer Störungen
o Symptom-Checklist-90-Standard (SCL-90-S)
störungsunspezifisch
Beispiel für eine symptomorientierte Fragebogen- und Testdiagnostik
misst die subjektiv empfundene Beeinträchtigung durch körperliche und psychische Symptome einer Person innerhalb Zeitraum 7 Tage erfasst psychische Belastung
90 Items auf 9 Skalen verteilt:
Somatisierung
Zwanghaftigkeit
Unsicherheit im Sozialkontakt
Depressivität
Ängstlichkeit
Aggressivität/Feindseligkeit
Phobische Angst
Paranoides Denken
Psychotizismus
Drei globale Kennwerte über Antwortverhalten bei allen Items:
GSI: grundsätzliche psychische Belastung
PSDI: Intensität der Antworten
PST: Anzahl Symptome, bei denen Belastung vorliegt
Testgütekriterien:
internen Konsistenzen zufriedenstellend bis gut
GSI sehr gute Reliabilitätswerte (Cronbachs Alpha = .97 bis .98)
Ausgenscheinvalidität gegeben
Bearbeitungszeit: 10-15 min
Borderline-Symptom-Liste (BSL)
störungsspezifisch
Beispiel für eine symptomorientierte Fragebogen- und Testdiagnostik
Selbstbeurteilungsskala zur Erfassung des Ausmasses der intrapsychischen Belastung von Borderline-Patienten
basiert auf den Kriterien des DSM-IV, dem Diagnostischen Interview für Borderline-Störungen (DIB-R), Expertenmeinungen und Patientenaussagen
erfasst den Schweregrad der Störung (dimensionale Diagnostik) und Veränderungen (Prozessdiagnostik)
Drei Teile:
1. Teil: 95 Items zur Einschätzung der Befindlichkeit während der letzten Woche (5-stufige Likert-Skala)
2. Teil: Visuelle Analogskala zur Erhebung der aktuellen psychischen Befindlichkeit (Skala von 0-100 %)
3. Teil: BSL-95-Ergänzungsskala (11 Items) zur Erfassung des Ausmasses der aktuellen dysfunktionalen Verhaltensweisen
7 Subskalen:
Selbstwahrnehmung, Affektregulation, Autoaggression, Dysphorie, soziale Isolation, Intrusionen, Feindseligkeit
Langform (BSL-95) und Kurzform (BSL-23) vorhanden
BSL wird bei Personen eingesetzt, die schon eine Diagnose haben, um die Symptomausprägung zu beschreiben; kann auch zur Verlaufsdiagnose helfen
Fazit: Es geht um die Dimensionalität der Symptomausprägung, nicht um die Diagnosestellung (da diese meistens schon gestellt wurde)
o Diagnostik-System für psychische Störungen nach ICD-10 & DSM-5 für Kinder und Jugendliche – dritte Version (DYSIPS-III)
störungsunspezifisch (= äquivalent zu SCL-90 für Kinder & Jugendliche)
Beispiel für eine symptomorientierte Fragebogen- und Testdiagnostik bei Kindern und Jugendlichen
Einsatzbereiche:
Fremdbeurteilung: 4 bis 18 Jahren (ADHS ab 3)
Selbstbeurteilung: 11 bis 18 Jahre
Dimensionale Erfassung und kategoriale Diagnostik
Besteht aus Screening-Instrument und mehreren störungsspezifischen Instrumenten
ADHS, Störungen des Sozialverhaltens, Depressive Störungen, Angststörungen, Trauma- und Belastungsbezogene Störungen, Zwangs-Spektrum-Störungen, Tic-Störungen, Autismus-Spektrum- und Soziale Kommunikations-Störungen, Bindungs- und Beziehungsstörungen
Teile können alleinstehend oder kombiniert durchgeführt werden
Für meisten Skalen zufriedenstellende interne Konsistenzen (Cronbachs Alpha = .70 bis .90)
Dauer: Selbst- und Fremdbeurteilungsbogen jeweils ca. 10 min
Multiaxiales Klassifikationsschema für psychische Störungen des Kindes- und Jugendalters (MAS)
o Empirisch basiert Weiterentwicklung der ICD; wird zur Diagnostik von psychischen Störungen des Kindes- und Jugendalters angewendet
o 6 Achsen:
Achse 1 – klinisch-psychiatrisches Syndrom
Diagnosen aus dem Kapitel V der ICD-10
Achse 2 – Umschriebene Entwicklungsstörung
umschriebene Entwicklungs- und Leistungsstörungen (z.B. LRS), unabhängig von der Ursache, wenn sie aus dem übrigen Entwicklungsniveau herausfallen
Achse 3 – Intelligenzniveau
psychometrisch erfasstes oder klinisch eingeschätztes Intelligenzniveau
Erfassung zu differentialdiagnostischen Zwecken
Achse 4 – Körperliche Symptomatik
Nicht-psychiatrische Krankheiten und Syndrome mit Bezug auf die aktuelle Situation
Achse 5 – Assoziierte aktuelle abnorme psychosoziale Umstände
Für die Ursache oder den Therapieverlauf wichtige abnorme psychosoziale Umstände (beispielsweise die Behinderung eines Elternteils) ⇒ wichtigste Achse
Achse 6 – Globale Beurteilung des psychosozialen Funktionsniveaus
Einschränkung der psychologischen, sozialen, schulischen/beruflichen Funktion
Verfahrensspezifische Diagnostik: Die Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik (OPD)
o Klassifikationsschema mit anderem Hintergrund und Diagnosetool
o Systematische Erfassung der psychischen Symptomatik zugrunde liegenden psychodynamischen Ursachen
o Zwei Versionen:
OPD für Diagnostik bei Erwachsenen (OPD-3, Arbeitskreis OPD, 2023)
OPD für Diagnostik bei Kindern und Jugendlichen (OPD-KJ-2, Arbeitskreis OPD-KJ, 2020), Aufteilung in drei Altersstufen
o Multiaxiales Klassifikationssystem (Achsen)
o Ergänzung zur klassifikatorischen Diagnostik gemäss ICD/DSM
o Achsen:
1. Achse: Psychische Störungen, Krankheitserleben,
Behandlungsvoraussetzungen
Ergebnisse der Diagnostik gemäss ICD/DSM
Globale Beeinträchtigungsschwere (Global Assessment of Functioning)
Subjektives Krankheitskonzept
Präferierte Veränderungs-/Behandlungskonzepte
Potenzielle Veränderungsressourcen und Veränderungshemmnisse
Übergeordnete subjektive Behandlungsziele
2. Achse: Beziehung
Repetitive dysfunktionale Beziehungsmuster
Aspekte des Übertragungs- und Gegenübertragungsgeschehens in der diagnostischen/therapeutischen Situation ⇒ Übertragung von Alltagssituationen in die therapeutische Situation
Interpersonelles Kategoriensystem, beziehungsdynamische Formulierung (Dysfunktionalität und Stabilität der typischen Beziehungsmuster)
o Vier interpersonelle Perspektiven:
1) Wie die Patienten sich selbst erleben
2) Wie die Patienten andere erleben (Erleben der Patienten)
3) Wie andere die Patienten erleben
4) Wie andere sich gegenüber den Patienten erleben (Erleben der anderen)
3. Achse: Konflikt
Betrachtung von intrapsychischen Konflikten als Ursache psychischer Symptome
hat in der psychoanalytischen Theorie eine lange Tradition und ist auch in der OPD zentraler Bestandteil der Diagnostik
Aufeinandertreffen gegensätzlicher Wünsche/Forderungen geht mit negativen Gefühlen einher (z.B. ein Triebwusch mit Anforderungen der Aussenwelt)
Dem Ich als regulierender Instanz gelingt es wiederholt nicht, zwischen gegensätzlichen Forderungen zu vermitteln ⇒ überdauernder neurotischer Konflikt –
Zentrale intrapsychische Konfliktthemen nach OPD:
Individuation vs. Abhängigkeit
Unterwerfung vs. Kontrolle
Versorgung vs. Autarkie
Selbstwertkonflikt
Schuldkonflikt
ödipaler Konflikt
Identitätskonflikt
4. Achse: Struktur
Psychische Struktur: verschiedene basale Fähigkeiten, die für die Wahrnehmung und Regulation von sich selbst und den Beziehungen zu anderen Menschen von Bedeutung sind
Strukturelle Beeinträchtigungen gehen meist mit deutlichen interpersonellen Schwierigkeiten einher und stellen oft eine Grundlage von Persönlichkeitsstörungen dar
Grosse Überschneidungen mit dem Persönlichkeitsfunktionsniveau (vgl. alternatives Modell der Persönlichkeitsstörungen nach DSM-V, Schweregradbestimmung einer Persönlichkeitsstörung nach ICD-11)
Umfasst insgesamt fünf Dimensionen:
bezogen auf das Selbst (Selbstwahrnehmung, Selbstregulation, Abwehr, Kommunikation nach innen, Bindung an innere Objekte)
und auf Objekte/Beziehungen (Objektwahrnehmung, Beziehungsregulation, Kommunikation nach außen, Bindung an äußere Objekte)
Unterscheidung vier Integrationsniveaus:
gut integriertes Strukturniveau
mässig/eingeschränktes integriertes Strukturniveau
gering integriertes Strukturniveau
desintegriertes Strukturniveau
Risikoabschätzung: Suizidalität und Fremdgefährdung
o Die meisten Menschen, die an einer psychischen Erkrankung leiden, zeigen kein selbstgefährdendes oder fremdgefährdendes Verhalten
o Gleichzeitig erhöhtes Risiko für suizidales oder aggressives Erleben und Verhalten in psychosozialen Krisen / im Kontext verschiedener psychischer Erkrankungen
o Mögliche Beeinträchtigung der Fähigkeit, sich um Schutzbefohlene zu kümmern (drohende Kindeswohlgefährdungen)
o In der Behandlung ergibt sich die Notwendigkeit, dies zu prüfen
o Authentisch besorgtes Nachfragen und Signalisieren von Unterstützung können einen erleichternden Effekt haben
o Routinemässig z.B. bei Erstkontakten in psychiatrischen Institutionen, Veränderungen des Behandlungssettings, abruptem Wechsel des klinischen Erscheinungsbildes, ausbleibende Zustandsverbesserung oder Verschlechterung trotz Behandlung, bedeutsamer interpersonaler Verlust etc.