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Textsortenbestimmung nach Fandrych/Thurmair (2011) - Coggle Diagram
Textsortenbestimmung nach Fandrych/Thurmair (2011)
Allgemein
theoretisch-deduktives Vorgehen bei Fragen der Klassifikation von Textsorten (vgl.ebd., 13)
empirisch-induktive Richtung -> Ansätze, die aus der Analyse konkreter Textsorten Analysekriterien ableitet (vgl. ebd., 14)
Textsorten: Klasse von Texten, die als konventionell geltende Muster bestimmten sprachlichen Handlungen zuzuordnen sind (vgl. ebd., 15)
Historische Entwicklung in den Sprachgemeinschaften: Bewältigung spezifischer kommunikativer Aufgaben in der sozialen Handlungspraxis (vgl. ebd.)
Textsorten als typische Kombinationen von situativen Faktoren, funktionalen und strukturellen Eigenschaften (vgl. ebd., 16)
Bei Textsorten handelt es sich um eine Abstraktion über eine Menge von Texten (vgl. ebd., 25)
Textsortenbegriff orientiert sich an der kommunikativen und sozialen Handlungspraxis (vgl. ebd.)
Textsorten dienen zur wiederkehrenden Bearbeitung gesellschaftlich relevanter kommunikativer Probleme bzw. Bedürfnisse (vgl. Fandrych/Thurmair, 2011, 29)
Beschreibungsdimensionen einer Textsortenanalyse
Kommunikationssituation
Weltspezifik (Verstehenshorizont, Voraussetzungen) -> literarische, spielerisch-fiktionale Texte etc. (vgl. ebd., 17)
medialer Aspket
Diskussion: nur schriftliche Vorkommen als Textsorte definiert, mündliche eher als Gesprächs- und Diskurstyp; mediale und konzeptionelle Mündlichkeit bzw. Schriftlichkeit (vgl. ebd.)
Texte durch "zerdehnte Sprechsitaution" (vgl. ebd., 18) gekennzeichnet (räumliche und zeitliche Trennung)
Einbezug von Bildern und Grafiken sowie die Kommunikationsstruktur und kommunikative Rahmensetzungen (vgl. ebd.)
Textrezipient
Gibt es einen konkreten Rezipienten (-> Adressatengruppe)? (vgl. ebd.)
Textproduzent
Wer produziert den Text für wen? (vgl. ebd.)
kulturräumliche Gebundenheit von Textsorten: kulturelle Prägung (vgl. ebd., 18)
Kommunikationsbereich
sozial und situativ definiert (vgl. ebd. 17)
dort geltende Handlungsnormen konstituieren auch die jeweils verwendeten Textsorten mit (vgl. ebd.)
Textsorten sind in größere Handlungszusammenhänge verankert (vgl. ebd.)
verschiedene Kommunikationsbereiche: Medizin, Schule, Hochschule, Wissenschaft, Rechtswesen, Justiz (vgl. ebd.)
Textfunktionen
Nach Brinker (2005): Informations-, Appel-, Obligations-, Kontakt- und Deklarationsfunktion (vgl. ebd., 19)
Nach Heinemann/Vieweger (1991): sich ausdrücken, kontaktieren, informieren und steuern (vgl. ebd.)
Empirisch-deduktive Analysen
viele Textfunktionen vereinen mehrere Textfunktionen (meistens dominiert eine) (vgl. ebd., 20)
Fokus: der Ertrag eines Textes (Was kann ich als Leser für mich mitnehmen? -> Erkenntnisgewinn); Absicht des Autors, Handlunsgabsicht des Lesers etc. (vgl. ebd., 20)
Thema, Textstruktur und sprachliche Ausgestaltung
Thema (Worum geht es?): Überschriften, Titel (vgl. ebd., 20)
Vertextungsstrategien
Werlich (1979): Narration, Deskription, Argumentation, Exposition und Instruktion (vgl. ebd., 21)
Brinker (2000): deskriptiv, narrativ, explikativ, argumentativ (vgl. ebd.) -> Formen der Themenentfaltung
Eroms: Erzählen, Beschreiben, Argumentieren und Anweisen (vgl. ebd.)
Fritz (2005): Beschreiben, Erzählen, Erklären, Argumentieren und Anweisen (vgl. ebd.)
Bedingen zentral die Textstruktur mit und schlagen sich auch in der Auswahl sprachlicher Mittel nieder (z. B. im Tempusgebrauch) (vgl. ebd.)
häufig kombiniert
Textsortenauswahl
Aktualität
Moderne Textsorten und Kommunikationsformen z. B.: Chats, Audioguides, Web-Tagebücher etc. (vgl. ebd., 23)
Berücksichtigung der zentralen Sprachstrukturen
Sprachstrukturelle Phänomene: grammatische, lexikalische, kollokationelle, texlinguistische und textstrukturelle (vgl. ebd.)
Relevanz für Sprecher/innen und Hörer/innen
Relevanz bestimmter Textsorten für den Fremdsprachen- und Muttersprachenunterricht (vgl. ebd.)
Zur Abgrenzung und Struktur von Textsorten
Großtextsorten, die in sich verschiedene Teiltexte (kleinere Einheiten sind funktional gleich) oder Subtexte (Textfunktionen variieren) vereinigen (vgl. ebd., 26)
"Textarchitektur": spezifische Anordnung und Vernetzung der Subtexte im Rahmen einer Großtextsorte (vgl. ebd.)
interne Strukturierung der Subtexte: "Textstruktur" (ebd.)
Wenn Texte einer Textsorte gesammelt auftreten: "Textgesamtverbund" (ebd., 27)
Verschiedene Textsorten treten räumlich zusammen in strukturierter Anordnung auf: "Textverbund" (ebd.)
Texte sind wesentlich durch Verkettungen von sprachlichen Handlungen unterschiedlicher Art charakterisiert: "Schritte" (ebd., 28)
Feste Reihenfolgen/Abfolgen der Textschritte: "Ordnungen" (ebd.)
Texte, die überwiegend thematisch oder chronologisch organsiert sind: "Texteinheiten" (ebd.)
Textfunktionen
Wissensbezogene Texte
dienen wissensspeichernde und -tradierenden Funktion von Sprache (vgl. ebd., 29)
Hauptfunktion: Wissenselemente verschiedener Art tradieren, mitteilen, bereitstellen (vgl. ebd.)
zentral: narrative und assortierende Arten der Darstellung (vgl. ebd.)
Konstatierend-assertierende, wissensbereitstellende Funktion: Sach- bzw. fachbezogene Texte, bspw. Wörterbucheintrag, Wetterberichte (vgl. ebd., 30)
Argumentative Funktion: Bereitstellung von Wissen, das möglicherweise vom Rezipienten nicht umstandslos angenommen wird, bspw. Leserbriefe (vgl. ebd., 30/31)
Bewertende Funktion: Wissen wird anhand normativer Maßstäbe in ein Bewertungssystem eingeordnet, bspw. Rezensionen, Gutachten (vgl. ebd. 31)
Handlunsgbeeinflussende und handlungspräformierende Texte
Texte, die primär der Beeinflussung von Handlungen anderer dienen oder eigene Handlungen des Textautors präformieren (vgl. ebd. 31)
Instruktive Funktion: Texte, die ein Handlungsangebot an den Hörer/Leser machen und so handlungspräformierend wirken, bspw. Kochrezepte, Bedienungsanleitungen (vgl. ebd.)
Reglementierend-direktive Funktion: Kontrolle von Handlungen anderer, bspw. Gestze, Satzungen (vgl. ebd.)
Obligativ-sprecherbezogene Funktion: Texte mit dominant obligat-sprecherbezogener Funktion dienen der Eingrenzung der eigenen Handlungsspielräume, bspw. Versprechen, Gelöbnisse (vgl. ebd.)
Deklarierende (performative Funktion): Texte, durch die institutionell verbindlich eine neue Situation geschaffen wird, bspw. Verbeamtungen (vgl. ebd.)
Appelative Funktion: Rezipienten sollen dazu bewegt werden, eine Einstellung anzunehmen, bspw. Werbeanzeigen (vgl. ebd. 31/32)
Handlungsvorbereitende Funktion: Texte, die der Planung von eigenen oder fremden Handlungen dienen sollen, bspw. Programme, Skizzen (vgl. ebd., 32)
Beratend-moralisierende Funktion: Geben ethisch-moralische Kriterien als Handlungsmaßstäbe vor und wirken so auf eine langfristige Einstellunsgänderung hin, bspw, Kummerkasten, Predigten (vgl. ebd.)
Expressiv-soziale, sinnsuchende Texte
Im Vordergrund steht das Individuum in seiner Stellung zur sozialen Umwelt (vgl. ebd., 32)
Expressiv-sinnsuchende Funktion: Dienen dazu, die eigenen Handlungen, Gefühle, Erfahrungen im Licht einer kohärenten Selbst- und Weltkontsruktion zu interpretieren, bspw. Blogs, Briefe, Tagebücher (vgl. ebd.)
Kollektiv selbstvergewissernde Funktion: Dienen primär der gemeinschaftlichen Selbstvergewisserung und -bestätigung der BIldung von Gruppenidentität und -zusammenhalt, bspw. Fan-Liedertexte (vgl. ebd., 33)
Phatische Funktion: Anteilnahme und die Aufrechterhaltung eines positiven sozialen Kontakts, bspw. Chats, Genesungswünsche (vgl. ebd.)
Unterhaltend-spielerische Funktion: Texte, die alternative Welten verbalisieren, im Vordergrund steht hier das Spielerische, bspw. Witze, Kindergeschichten, Märchen (vgl. ebd.)
Ästhetische Funktion: Im Vordergrund steht die klangliche, stilistisch ansprechende Funktion, die Reflexion mit Sinnsuche und Unterhaltung, bspw. literarisch-ästhetisierende Texte (vgl. ebd.)